Ford Traktoren in der DDR

Traktoren & ihre Geschichten

Ford und Fordson in der ehemaligen DDR

Von Lars Heyde

Da die Staatsorgane der ehemaligen DDR und die Einflüsse der Sowjetunion es nicht zu ließen, eigene Traktoren über 100 PS zu bauen, einigte man sich bei den inländischen Messen statt der üblichen Devisen-Zahlungen, die Ausstellungsfahrzeuge und Maschinen gleich im Land zu behalten. So sparte man sich als Aussteller unter anderem den kostenintensiven Rücktransport dieser Maschinen. Anführen muss man dazu aber noch, dass nicht alle Maschinen so ins Land kamen, denn einige wurden auch normal eingekauft. Einige dieser Schlepper gingen auch direkt zur näheren Untersuchung an die entsprechenden Forschungseinrichtungen für Landwirtschaftliche Technik. Dies begann Anfang der 60er Jahre, wo hier einiges an „Westtechnik“ in die ehemalige DDR kam. Für die damaligen Verhältnisse in der DDR war diese Technik sehr fortschrittlich und erleichterte die anfallende Arbeit sehr. Auch den Traktoristen gefiel diese neue Technik, da sie einiges in ihrem gewohnten Arbeitsablauf erleichterte. Die Fahrer die solch neue Technik bedienen durften waren auch sehr stolz darauf, denn es waren nur sehr wenige Genossen, die zu dieser Zeit mit „Messeneuheiten“ beruflich zu tun hatten und diese auch Tag für Tag fahren konnten. Unter den Traktoren, waren Typen wie der Fordson County Super-4, Fordson County Super-6, Ford County Super-4, Ford County Super-6, Ford 4000 und Ford 5000 zu finden. Dazu ist ein kurzer Ausflug in die Geschichte der beiden Firmen nötig, um ein wenig Licht ins Dunkel der beiden Namen Ford und Fordson zu bringen. Ford wurde am 16. Juni 1903 in Detroit (Michigan) von Henry Ford gründet. Dort wurden aber nur die Personenkraftwagen gefertigt, denn die Traktorenproduktion lief unter dem Namen Ford Tractor Company und wurde in Minneapolis realisiert. Fordson wurde 1917 in Dearborn (USA) als Henry Ford & Son Inc., kurz Fordson gegründet. 1919 kam als zweiter Standort Cork (Ireland) hinzu. Fordson produzierte eigenständig Traktoren, bis 1961 die englische und amerikanische Firma unter dem Namen Ford wieder zusammen gingen.

Die Fordson- und Ford-Typen unterschieden sich wie folgt:
– Fordson County Super-4: Allradantrieb, 4-Zylinder Dieselmotor mit 52 PS
– Fordson County Super-6: Allradantrieb, 6-Zylinder Dieselmotor mit 95 PS
– Ford County Super-4: Allradantrieb, 4-Zylinder Dieselmotor mit 65 PS
– Ford County Super-6: Allradantrieb, 6-Zylinder Dieselmotor mit 100 PS
– Ford 4000: Standardtraktor, 3-Zylinder Dieselmotor mit 42 PS
– Ford 5000: Standardtraktor, 4-Zylindermotor mit 65 PS

Bei den Fahrzeugen die im Oderbruch beim Pflügen zum Einsatz kamen, handelte es sich vorwiegend um Fordson County Super-6 und Ford County Super-6 Schlepper, die eine sehr gute Zugkraft aufwiesen um den dort befindlichen Boden bestmöglich bearbeiten zu können. Die Fahrzeuge der Messen wurden auch nicht groß gepflegt und gewartet, denn man wollte ja auch mitbekommen, wann und wo diese Maschinen verschlissen. Das war nicht weiter schlimm, denn es gab ja jedes Jahr neue Messeprodukte und somit auch Nachschub. Die Traktoren wurden direkt vom Messestand weggekauft und die DDR-Führung nutze dies um die westliche Technik an abgelegenen Versuchsanstalten genauestens zu begutachten. Solche Versuchsanstalten waren z.B. das VEB Zingst oder WTZ (Wissenschaftlich Technischen Zentrum), was später zum FZM (Forschungszentrum für Mechanisierung) umbenannt wurde und eine untergeordnete Einrichtung von der AdL (Akademie der Landwirtschaftswissenschaften) war. Diese Versuchsstätten wurden mit dem ausprobieren, ausspionieren und gegenüberstellen solcher „Westtechnik“ beauftragt. Da dies offiziell keiner wissen durfte, wurde auch der Besitz solcher Technik in der ehemaligen DDR geleugnet. Das vergleichen mit den sogenannten „Westschleppern“ ging aber nur einige Jahre gut, dann schob man dem Treiben von oben her einen Riegel vor. Sogar im „Handbuch für den Traktoristen“, durften dann solch Vergleiche nicht mehr niedergeschrieben werden. Der tägliche schwere Einsatz verlangte der „westlichen Technik“ so einiges ab, um sie somit auch ordentlich auf Herz und Nieren zu prüfen. Anschließend konnte man dann aus den entstandenen Schäden erkennen, wo bei der Konkurrenz die Schwächen lagen und diese somit bei eigenen Schleppern so gering wie möglich halten.

Anfang der achtziger Jahre, gab es dann von oberster Stelle Auflagen und Befehle und man begann mit der Verschrottung dieser Traktoren. Das bis heute noch damalige Fahrzeuge die eigentlich zur Verschrottung gingen, noch immer im Osten der Republik vorzufinden sind, lässt sich wie folgt erklären: Der Ostdeutsche ist schlau und sehr erfinderisch, er fuhr nach der Zerlegung der Traktoren einfach zum Schrottplatz und kaufte den Schrott zurück. Im Anschluss baute man sich aus den verschrotteten Teilen, die ja erst kurz zuvor zerlegt wurden, den Traktor zu Hause einfach wieder zusammen. So wurden einige dieser Traktoren sozusagen „wiedergeboren“ und man hat sich somit den Befehlen von oben nicht wiedersetzt. Einige haben es aber auch so geschafft, bis heute zu überleben und so kann man manche dieser Schlepper noch heute bei der Arbeit vorfinden.

Ein Exemplar eines solchen Fordson County Super-4, wie es sie damals hier gab, habe ich selbst restauriert und wieder hergerichtet. Dieser seltene Exot ist zwar nicht von den wenigen die hier damals ihre Arbeit verrichteten, sondern kam durch Herrn Hubert Heyde, direkt von Schweden nach Deutschland. Er sah ihn dort ganz einsam und verlassen an einer Straße in Schweden und zögerte nicht in Erfahrung zu bringen, ob dieses doch sehr runter gekommene Fahrzeug zu verkaufen wäre. Es war ein regelrechter Kampf ihn zu bekommen, denn solch einen seltenen Traktor gibt man nicht gern her. Vom ersten entdecken durch Herrn Hubert Heyde in Schweden, bis er dann tatsächlich vor meiner Tür stand, dauerte ungefähr ein halbes Jahr. Solch seltene Gelegenheiten bieten sich einem nicht jeden Tag und es gehört schon eine Menge Glück dazu, Geschäfte dieser Art unter Dach und Fach zu bringen.

Damit endet mein kleiner Ausflug in die Geschichte der Ford und Fordson Traktoren in der ehemaligen DDR. Ich hoffe ihnen damit einen kleinen Einblick in die damalige Zeit geben zu können und würde mich sehr freuen ihr Interesse auf mehr geweckt zu haben, denn dies ist noch lange nicht alles was es damals gab und die Leute dort erlebten.

Fordson County Super 4
Fordson County Super 4

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Alle hier veröffentlichten Informationen, Texte und Bilder stammen von Zugtier-Gastreporter Herr Lars Heyde (www.t-heyde.de) aus Deutschland. Herzlichen Dank dafür!
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